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Landschaftspflege beugt Flut und Dürre vor!

27.10.2021

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) veröffentlicht konkrete Vorschläge zur Verbesserung des natürlichen Wasserrückhaltes in der Agrarlandschaft. Ein neuer Praxisleitfaden zeigt Maßnahmen auf, die den verheerenden Folgen von Starkregen und Trockenheit entgegenwirken.

Ansbach – Durch den Klimawandel nehmen Extremwetterereignisse zu. Starkregen, wie zuletzt in Westdeutschland, verursachen Sturzfluten, die zu immensen Schäden führen. Längere Trockenphasen hingegen beeinträchtigen die Wasserneubildung und gefährden so die Grundwasserversorgung der Bevölkerung. Durch örtlich abgestimmte Landschaftspflegemaßnahmen können Landwirtinnen und Landwirte nicht nur die Wasserspeicherfähigkeit der Böden erhöhen, sondern auch einen signifikanten Beitrag zum Schutz von Biodiversität, Wasserqualität und Klima leisten. Mit der Beratung landwirtschaftlicher Betriebe sowie der Planung und Umsetzung ökologischer Schutzmaßnahmen haben die im DVL zusammengeschlossenen Landschaftspflegeorganisationen seit über 30 Jahren Erfahrung.

Klimawandel verändert Wasserverfügbarkeit

Landwirt Hans Pfeffer aus Odenheim am Glan in Rheinland-Pfalz bewirtschaftet mit einem Jahresniederschlag von 480 mm einen sehr trockenen Standort. Gleichzeitig lassen Starkregenereignisse die Bäche am Glan immer wieder über die Ufer treten. Jetzt betrachtet er zufrieden die neu angelegten Obst- und Nussbäume sowie die Wiesengräben. Sie sind mit einem System aus vernetzten Teichen verknüpft, um abfließendes Wasser zu speichern und für Dürreperioden anzuwenden.

„Das Beispiel macht deutlich: Wir brauchen wieder mehr Bäume und Hecken, kleinere Schläge und mehr Wiesen! Unsere Böden müssen wieder mehr Wasser speichern können, damit Extremwetterereignisse wie Starkregen und Trockenheit abgepuffert werden“, erklärt Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL. Trockenheit schädigt die Pflanzen und führt zu Ernteeinbußen. Bei Starkregen wird Boden und damit auch Humus abgeschwemmt. Humusverlust ist nicht nur für die Fruchtbarkeit der Böden fatal, sondern wirkt sich unmittelbar auf die Speicherfähigkeit des Bodens aus. Humus kann das Fünffache seines Gewichts an Wasser speichern und so Extremwetterereignisse abpuffern.

Landschaft zum Wasserspeicher entwickeln

Eine an den Klimawandel angepasste Agrarlandschaft ist so beschaffen, dass weniger Wasser oberflächlich abfließt und mehr Wasser versickert. Förderlich sind verkürzte Hanglängen, ein hoher Anteil an Gehölzen und Grünland, kleine Schläge mit vielfältigen Fruchtfolgen, Hecken und Pufferstreifen. Ebenfalls Teil der Lösung sind renaturierte Gewässer und überflutbarere Auebereiche. Auch auf bewirtschafteten Ackerflächen können Landwirtinnen und Landwirte handeln. Der Anbau mehrjähriger Pflanzen, Zwischenfrüchten und Untersaaten oder bodenschonende Anbauverfahren helfen den Böden mehr Wasser aufzunehmen und Humus aufzubauen.

Win-win mit Biodiversität, Gewässer- und Klimaschutz

Viele Maßnahmen, die die Landschaft zum Wasserspeicher machen, sind auch für Klima-, Biodiversität-, und Gewässerschutz gut. Grünland, Hecken und Kurzumtriebsplantagen binden CO2. Mehrjährige Blühstreifen, Streuobstwiesen und blühende Energiepflanzen bieten Nahrung und Lebensraum für Insekten und Vögel. Uferrandstreifen verhindern, dass Dünger in die Gewässer gelangt.

Leitfaden beschreibt Erfolgsfaktoren für die Praxisumsetzung

Die jahrzehntelangen Erfahrungen der Landschaftspflegeorganisationen hat der DVL in dem Leitfaden „Verbesserung des natürlichen Wasserrückhaltes in der Agrarlandschaft“ zusammengetragen, der im Zuge des Deutschen Landschaftspflegetages veröffentlicht wurde. Im dortigen Fachforum „Klimawandel und Wasserrückhalt“ diskutierten Expertinnen und Experten über Potentiale und aktuelle Herausforderungen.
„Ob auf dem eigenen Betrieb, oder über Gemeindegrenzen hinweg – für einen erfolgreichen Wasserrückhalt ist entscheidend, mehrere Maßnahmen zu kombinieren!“, unterstreicht Corinna Friedrich, Projektmanagerin beim DVL.

Landschaftspflegeorganisation können Akteure beraten

Welche Maßnahmen am wirksamsten sind, hängt vom jeweiligen Naturraum, den landwirtschaftlichen Betriebsstrukturen, der Förderung und den Akteuren vor Ort ab. Die Wirksamkeit ist aber stets höher, wenn mehr standortangepasste Maßnahmen in einem Gebiet umgesetzt werden. Bei großflächiger Planung sind deshalb Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, landwirtschaftlichen Betrieben, Behörden, Planungs- und Umsetzungsbüros sowie Vereinen beteiligt. Deshalb spielt neben ökologischem und landwirtschaftlichem Fachwissen die Vernetzung regionaler Akteure eine zentrale Rolle. „Durch die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen bei der Entwicklung regionaler Lösungen sind Landschaftspflegeorganisationen ideale Partner, um Projekte zum Wasserrückhalt anzustoßen und zu begleiten“, betont Metzner.

Hintergrund

Der Leitfaden Deutscher Verband für Landschaftspflege e. V. (2021) Verbesserung des natürlichen Wasserrückhaltes in der Agrarlandschaft, Nr. 29 der DVL-Schriftenreihe „Landschaft als Lebensraum“ entstand im Projekt „Natürlichen Wasserrückhalt in der Agrarlandschaft verbessern – Katastrophen durch Starkregen und Trockenheit verhindern“, gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages. Bezug: https://www.dvl.org/publikationen/dvl-schriftenreihe.

Der DVL ist der Dachverband der 181 Landschaftspflegeorganisationen in Deutschland (Landschaftspflegeverbände, Landschaftserhaltungsverbände, Lokale Aktionen und Biologische Stationen).
Sie arbeiten dabei mit über 10.000 landwirtschaftlichen Betrieben für den Naturschutz eng zusammen.

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