Die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Landschaftspflegepreises in den Jahren vor 2010

Der Deutsche Landschaftspflegepreis würdigt herausragende Leistungen zum Erhalt und zur Entwicklung unserer Kulturlandschaften und wird jährlich verliehen. Es können innovative Projekte und engagierte Personen ausgezeichnet werden. An Privatpersonen, Stiftungen oder Unternehmen kann für deren herausragendes Engagement ein Sonderpreis vergeben werden.

Preisträgerinnen und Preisträger 2009

"Vorbildliche Projekte"

Erster Preis: Artenschutz, Moorschutz und Klimaschutz im Paket - die Wiedervernässung des Schwäbischen Donaumooses

Die Wiedervernässung des Schwäbischen Donaumooses fand 2009 mit der Einleitung von Nauwasser ins Leipheimer Moos seinen vorläufigen Höhepunkt und wird damit nicht nur ein Jahrhundertprojekt für die Region, sondern die erste flächige Wiedervernässung eines Niedermoores in Schwaben, in dieser Form sogar in ganz Bayern.

In diesem Projekt des Landschaftspflegeverbandes ARGE Donaumoos sind die Handlungsschwerpunkte der Europäischen Union zum Schutz der Biodiversität, des Wasserschutzes und des Klimaschutzes eindrucksvoll vereint. Bereits erste Landschaftspflegemaßnahmen wie Entbuschung und Streuwiesenpflege wirkten sich positiv auf die Tiere und Pflanzen im Gebiet aus. Das Projekt trägt auch einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz bei, da durch die Wiedervernässung in dem über 150 ha großen Torfkörper der Grundwasserstand spürbar angehoben wird. Dadurch wird die Mineralisation langfristig weitgehend unterbunden und in Teilen sogar erneutes Torfwachstum angeregt.

Das Projekt ist ein hervorragendes Beispiel für die verbindende und interessensausgleichende Arbeit eines Landschaftspflegeverbandes, indem Konflikte durch Gespräche, kompetente Beratung und „Runde Tische” bereits im Vorfeld geschlichtet werden konnten. Die Wiedervernässung des Schwäbischen Donaumooses repräsentiert als „Leuchtturm-Projekt” die Renaturierung von Niedermooren in ganz Deutschland.

Von den Ergebnissen und Erfahrungen der ARGE Donaumoos können viele Landschaftspflegeverbände und Fachleute profitieren, um den Schutz der Niedermoore in Deutschland voranzutreiben und damit den Arten-, Moor- und Klimaschutz entscheidend zu unterstützen. Deshalb wurde dieses innovative Projekt mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis 2009 ausgezeichnet.

Zweiter Preis: Aktivitäten rund um das Feldflora-Reservat und die heimische Kulturlandschaft, Rheingau-Taunus

Der Kulturlandschaftsverein Hausen vor der Höhe gestaltet aktiv die Kulturlandschaft im Hohen Taunus. So richtete der Verein einen Kulturlandschaftspfad ein, eine Wetterstation (Schlangenbad-Hausen ist Luftkurort!) und pflanzt und pflegt Streuobstwiesen aus Obsthochstämmen durch. Auch Kochkurse mit alten Getreidesorten sowie Workshops zur Käseherstellung bieten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins an. Selbst der Bau eines Kohlen-Meilers stand bereits auf dem Programm des Kulturlandschaftsvereins.

Ganz besonders herausgehoben und eng gekoppelt an die Gründung des Kulturlandschaftsvereins ist die Betreuung des Feldflorareservates (FFR) in Schlangenbad-Hausen.
Das Projekt ist in das „Artenhilfsprogramm Ackerwildkräuter im Rheingau und Westtaunus“ eingebettet, das vom Rheingau-Taunus-Kreis in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Rheingau-Taunus, der Botanischen AG Taunus und dem Nassauischen Verein für Naturkunde durchgeführt wird.

Bereits mehrere Tausend Personen haben die verschiedenen Angebote des KLV Hausen v.d.H. angenommen. Dabei kann jede/r selbständig das FFR aufsuchen und seine Vielfalt auch ohne Führung genießen, da viele Hinweisschilder aufgestellt sind. Dazu gehören derzeit etwa 50 Dauerbeobachtungsflächen auf Ackerschonstreifen und in Weinbergen des Rheingau-Taunus-Kreises.

Bisher wurden im FFR 124 Wildkrautarten festgestellt. Im Jahr 2000 (Einstellung der Spritzung und Düngung) fanden sich bereits 50 Arten ein. Der spektakulärste Neufund ist die Kornrade (Agrostemma githago), die 2002 im Wintergetreide in fünf Exemplaren auftauchte. Diese bundesweit vom Aussterben bedrohte Art kam vor einigen Jahren noch anderenorts im Taunus vor.

Weitere hier vorkommende, gefährdete Arten sind die Roggentrespe (Bromus secalinus), der Acker-Steinsame (Lithospermum arvense), der Saat-Hohlzahn (Galeopsis segetum), das Acker-Löwenmaul (Misopates orontium), der Gefurchte Feldsalat (Valerianella rimosa) und der Glanzlose Ehrenpreis (Veronica opaca). In großen Mengen kommt die – anderenorts seltene – Saat-Wucherblume (Chrysanthemum segetum) vor, die den Anstoß für die Auswahl dieser Fläche als FFR gab. Zunehmend ist auch die Zahl der Kornblumen (Centaurea cyanus) und des Sandmohns (Papaver argemone), die aber nicht mehr als gefährdet gelten. Der engagierte, ehrenamtlich organisierte Aufbau des Feldflora-Reservates verdient den Deutschen Landschaftspflegepreis 2009.

"Engagierte Personen"

Erster Preis: Susanne von Redecker

Die Acker- und Grünlandflächen des Hofes Schoolbek von Susanne von Redecker liegen zum Teil innerhalb eines FFH-Gebietes. Mehrere weitere Betriebsflächen sind der Hauptverbundachse zwischen direkt angrenzenden Natura 2000-Gebieten zuzuordnen. Auch im Gebiet „Holmer See“, einem „Hot Spot“ des Naturschutzes in Schleswig-Holstein, liegen Flächen ihres Betriebs. So ist Frau von Redecker nicht nur Biolandwirtin mit Herz und Seele, sondern auch Hüterin besonderer Naturschätze:

Auf einer der Ackerflächen wurde 2008 ein Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Lämmersalates (Arnoseris minima) festgestellt, für dessen Erhaltung Schleswig-Holstein bundesweit eine besondere Verantwortung trägt. Auf einer weiteren Hoffläche gedeiht das Acker-Gipskraut (Gypsophila muralis), das in Schleswig-Holstein bereits als ausgestorben galt.
Susanne von Redecker erklärte sich bereit, für beide Flächen im Rahmen des DBU-Projektes „100 Äcker für die Vielfalt“ langfristige Nutzungsvereinbarungen einzugehen.

In den Diskussionen um die Umsetzbarkeit geeigneter Maßnahmen hat sie großen Enthusiasmus entwickelt und zahlreiche eigene Ideen eingebracht, so dass schließlich rund 86% (10 Einzelflächen) der von ihr bewirtschafteten Nutzfläche gegen Ausgleichszahlungen langjährig für die Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen zur Verfügung stehen.
Der Hof Schoolbek dürfte damit bezüglich der Verbindung von Landwirtschaft und Naturschutz eine Spitzenstellung in Schleswig-Holstein einnehmen und über den Produktionszweig Naturschutz dem Betrieb eine neue Ausrichtung und bessere Zukunftsaussichten durch die Ansprache neuer Kundenkreise geben. Dieses Engagement wurde mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis 2009 ausgezeichnet!

Zweiter Preis: Ehepaar Margit und Hans-Peter Zönnchen

Das Ehepaar Zönnchen bewirtschaftet in Hermsdorf im sächsischen Erzgebirge einen Betrieb mit 20 ha Wald und 60 ha Grünland, davon 10 ha wertvolle Naturschutzflächen, die mit Spezialtechnik, die die Betriebsleiter aus eigenen Mitteln beschafften, bearbeitet werden.Von Beginn an engagiert sich das Landwirte-Ehepaar im Naturschutz und der Landschaftspflege und wirtschaftet insgesamt nach hohen ökologischen Maßstäben.

So pflegen sie wertvolle Feucht- und Bergwiesen mit Arnika und Orchideen im FFH-Gebiet Gimmlitzwiesen sowie weitere 50 ha extensive Weide und Wiesen.
Die beiden pflanzten auf den eigenen Flächen insgesamt 3 km mehrreihige Biotopverbundhecken und unterstützten den Landschaftspflegeverband bei der Neuanlage von Heckenpflanzungen im Gemeindegebiet.
Darüber hinaus setzt sich Familie Zönnchen sehr engagiert für die Erhaltung der wertvollen Wiesen in der Region ein und ermutigt andere Wieseneigentümer zu einer naturschutzgerechten Pflege, anstatt diese aufzuforsten.
Für seine artenreichen Bergwiesen wurde der Landwirtschaftsbetrieb Zönnchen bereits mehrmals im Rahmen der regionalen Bergwiesenwettbewerbe der Landschaftspflegeverbände ausgezeichnet.
Margit Zönnchen setzt sich im Rahmen einer kleinen lokalen Privatinitiative für den Erhalt genetischer Ressourcen von Wildpflanzen der Bergwiesen (z.B. die traditionelle Arzneipflanze Arnika montana) ein.
Als wichtige Partner für die Umsetzung von Naturschutz und Landschaftspflege in ihrer Region wirkt ihr persönliches Engagement weit über den eigenen Hof hinaus. Deshalb wirde das Ehepaar Zönnchen 2009 mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet.

"Undotierter Sonderpreis"

HIT-Umwelt- und Naturschutz-Stiftungs-GmbH

Die von der Familie Dohle 2003 gegründete HIT-Umwelt- und Naturschutzstiftung ist eine private Stiftungs-GmbH, die Projekte zum Erhalt der Natur, der Erforschung und der Umweltbildung unterstützt.
Bundesweit werden etwa 50 Umweltvereinigungen und private Initiativen finanziell unterstützt, wobei der Schwerpunkt auf der Förderung von Projekten in den neuen Ländern und in Nordrhein-Westfalen liegt.
Dabei geht es hauptsächlich um die Umsetzung von konkreten Projekten und Maßnahmen im Biotop- und Artenschutz, etwa zum Schutz des Eisvogels in den Bachtälern der Eifel.
Gerade die Bereitstellung von Geldern zur Kofinanzierung großer Projekte, die Landschaftspflegeverbände oder Biologische Stationen nur schwer aufbringen können, macht die HIT-Umweltstiftung als deutschlandweit tätigen Geldgeber unverzichtbar.
Für dieses Engagement erhält die HIT-Umwelt- und Naturschutzstiftungs-GmbH den Sonderpreis des Deutschen Landschaftspflegepreises 2009.

Preisträgerinnen und Preisträger 2008

"Innovative Projekte"

Erster Preis: Beweidungsprojekt „Aurachochse", Landkreis Bamberg

Der Landschaftspflegeverband Landkreis Bamberg hat mit seinem Projekt „Aurachochse“ dafür gesorgt, dass der hier ehemals heimische Auerochse wieder in das Aurachtal zurückkehrt. Dabei hat der Landschaftspflegeverband gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: er schuf eine touristische und gastronomische Attraktion, verfügt über einen interessanten Einstieg in die Umweltbildung zum Thema Flussauen und verbesserte den Biotopverbund zwischen den Steigerwaldtälern und dem Regnitztal.

Die ganzjährige Beweidung hält den feuchten Aurachgrund mit seinen zahlreichen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten offen, da die Heckrinder aufkommendes Gebüsch verbeißen. Die Heckrinder sind die moderne Zuchtform der Auerochsen. Die Herde hat sich mittlerweile in der Region als Tourismusmagnet entpuppt und liefert dabei noch eine regionale Spezialität für die Gastronomie.
Die Herde, die im März und April 2006 in die Weide eingesetzt wurde, umfasst derzeit 14 Tiere.
Die „Erlebnistour Aurachtal“, ein Radrundweg, führt entlang der Weide von Stier „Luzifer“ und seiner Familie. Auch künftig werden Exkursionen zur Weide und in die Auen angeboten. Besonders freut die Initiatoren, dass die Herde vom Landkreis Bamberg in das begleitende Programm zur Landesgartenschau 2012 aufgenommen wurde.

Dieses multifunktionale Vorhaben verdiente die Auszeichnung mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis 2008.

Zweiter Preis: Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und Gewässererhaltung, Thüringer Grabfeld

Seit 1997 unterstützt der Landschaftspflegeverband "Thüringer Grabfeld"  seine Mitgliedsgemeinden bei der Unterhaltung von Fließgewässern 2. Ordnung. In den vergangenen 10 Jahren hat der Landschaftspflegeverband so 287 km Gewässer  betreut und dort Pflegemaßnahmen durchgeführt. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit mit den Kommunen wurde ein „Drei-Phasen-Modell Gewässerunterhalt“ entwickelt und ausgeführt.

Dabei unterstützt der Landschaftspflegeverband seine Mitglieder bei der Umsetzung der gesetzlichen Forderungen. Kernstück ist die umfassende Beteiligung aller Betroffenen im Rahmen einer Flussschau. Diese Veranstaltungen moderierte immer er Landschaftspflegeverband effektiv, praxisorientiert und lösungsorientiert. Der Landschaftspflegeverband übernimmt damit eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie an kommunalen Gewässern. In aktuellen Betreuungsverträgen hat der Landschaftspflegeverband 270 km Flusslauf in Pflege.

Der Landschaftspflegeverband hat hier Pionierarbeit geleistet, für die er den Deutschen Landschaftspflegepreis 2008 erhält.

"Engagierte Personen"

Erster Preis: Landwirte Christel und Harry Bergmann

Das Landwirtehepaar Bergmann engagiert sich seit Jahren in herausragender Weise für den Schutz von Ackerwildkräutern in Govelin, Niedersachsen.
Extensiver Ackerbau, die Anlage und Pflege von Blühstreifen und viele Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt auf Ackerstandorten ist für sie Herzensangelegenheit.
Seit vielen Jahren bewirtschaften die beiden 50 von 80 ha Ackerfläche unter Ackerwildkraut-Gesichtspunkten. Dabei gehört ihr besonderes Augenmerk der Acker-Feuerlilie. In Govelin, auf den Feldern der Familie Bergmann, existiert die einzige noch nennenswerte Population weltweit, auch weil sie über Jahre für große Flächen Verträge zur extensiven Nutzung abgeschlossen hatten. Die Acker-Feuerlilie war im 19. Jahrhundert in Nordeuropa noch fast flächendeckend verbreitet. Mittlerweile ist sie aus Europa fast vollständig verschwunden.

Dabei geht es ihnen nicht nur um den Schutz der Pflanzen an sich, sie laden auch regelmäßig zur Blütezeit zu einem internationalen Symposium mit umfangreichem Rahmenprogramm ein. Dort treffen sich nicht nur Ackerwildkraut-Experten aus ganz Europa, auch "Otto Normalverbraucher" kann die Schönheiten des Ackers anschauen und kennenlernen. Dazu wurde etwa 2003 der „Feldlilienpfad Govelin“ geschaffen.

Diese langjährige Engagement mit viel Herzblut wurde 2008 mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet.

Zweiter Preis: Dr. Aribert Bach, Landschaftspflege-Agrarhöfe Kaltensundheim/Rhön

Dr. Aribert Bach, Gründungs- und aktives Vorstandsmitglied des Landschaftspflegeverbandes „Biosphärenreservat Thüringische Rhön“ seit 1991 prägt mit seiner Weitsicht und seinen hervorragenden fachlichen Kenntnissen wesentlich die Arbeit des Landschaftspflegeverbandes.

Als Geschäftsführer der Landschaftspflege-Agrarhöfe Kaltensundheim, die seit 1990 im Biosphärenreservat Rhön aktiv sind und seit 1991 nach den Richtlinien des ökologischen Landbaues produzieren, setzt er sich engagiert in der Landschaftspflege, der Regionalvermarktung und dem Erhalt des Rhönschafs ein. Damit war das Unternehmen eines der ersten in Thüringen, das auf ökologischen Landbau umgestellt hat, und es ist mit 2.500 ha Betriebsfläche auch eines der größten bundesweit.

Bei der Vermarktung regionaler Produkte leistete Dr. Bach erfolgreich Pionierarbeit. So versorgen die Agrarhöfe GmbH 1200 Haushalte über einen Lieferservice mit Frischmilch, führen einen Hofladen und vermarkten gemeinsam mit 8 hessischen und fränkischen Bauernhöfen. Das Unternehmen ist damit auch einer der größten Arbeitgeber in der Region.

Besondere Verdienste hat sich Herr Dr. Bach bei der Erhaltung des Rhönschafes erworben. Sein Unternehmen ist anerkannter Herdbuchzuchtbetrieb und hat zur Erhaltung dieser alten Haustierrasse eine Herde mit 500 Mutterschafen in seinem Betrieb wieder aufgebaut.

In verschiedenen Gremien vertritt er die Interessen seines Berufsstandes und setzt sich in besonderer Weise für die kargen, steilen, aber auch besonders reizvollen Mittelgebirgsregionen ein. Er ist u.a. Vorsitzender der Interessengemeinschaft Benachteiligte Gebiete und Mitglied im erweiterten Präsidium des Thüringer Bauernverbandes.

Für sein langjähriges Engagement erhält Dr. Bach den Deutschen Landschaftspflegepreis 2008.

Preisträgerinnen und Preisträger 2007

"Innovative Projekte"

Erster Preis: „Birkenfelder Originale" - die Streuobstinitiative im Hunsrück

Mit der Streuobstinitiative des Landschaftspflegeverband Birkenfeld, Rheinland-Pfalz, sollen die wertvollen Streuobstwiesen als prägendes Element der Kulturlandschaft im Hunsrück erhalten und entwickeln werden. Durch Angebote von Schnittkursen, Sortenbestimmung und -beratung und gemeinsame Pflückaktionen werden die Besitzer der Streuobstbäume motiviert, ihre Bestände wieder zu nutzen, zu pflegen und neue zu pflanzen.

Die Aktionen tragen bereits Früchte, so liegt die Erntemenge in guten Jahren bei über 100 Tonnen Äpfel, die in regionalen Keltereien verarbeitet werden. Was mit einer Produktpalette von klaren und trüben Apfelsaft in den Regalen der Einzel- und Getränkefachmärkten in der Region begonnen hat, ist auf mittlerweile um Apfelwein, Apfel-Kirsch-Nektar und mehrere Seccos erweitert worden.

Diese Produktpalette wird seit 2006 unter der mit Beteiligung der Verbraucher entwickelten Dachmarke „Birkenfelder Originale“ vermarktet. Durch professionelles Marketing und Aufbau einer Internetplattform kam es im 2006 zu einer Absatzsteigerung auf ca. 65.000 l Saft. So verbleiben durch die Vermarktung der Streuobstprodukte rund 50.000 € in der Region.

Ein interaktiver Streuobstlehrpfad in der Gemeinde Mackenrodt informiert alle interessierten Bürger und Besucher über das Projekt. Seit bestehen der Streuobstinitiative werden mehr als 1000 Apfelbäumen wieder genutzt und über 900 Hochstamm-Obstbäume wurden gepflanzt.

Zweiter Preis: Der Riedelhof Eubabrunn im sächsischen Vogtland

Der Landschaftspflegeverband Oberes Vogtland hat mit dem 2003 rekonstruierten, unmittelbar an der tschechischen Grenze gelegenen Riedelhof ein einzigartiges Projekt auf die Beine gestellt. Hinter den Mauern in traditioneller, vogtländischer Volksbauweise finden moderne, naturverträgliche Landwirtschaft und Kultur zusammen.

Der Riedelhof dient heute als Ort innovativer, oft grenzüberschreitender, ökologischer Projekte, der bäuerlichen Direktvermarktung (Naturmärkte) und als Begegnungsstätte für Kunst und Kultur. Die verschiedensten Angebote wie Streuobstprojekte, die Wiederbelebung des Landfilms, Internationale Bildhauersymposien, Spezialmärkte und Bergwiesenwettbewerbe werden in enger Zusammenarbeit mit  tschechischen Partnern durchgeführt.

Bei den Projekten steht im Vordergrund, dieKulturlandschaft durch naturnahe Nutzung zu erhalten und umweltbewusste Bürger für Mitarbeit und Engagement zu gewinnen. Jährlich durchschnittlich 35 hochkarätige Veranstaltungen stehen im Riedelhof auf dem Programm, insgesamt drei Mitarbeiter unterstützen das Team in Sachsen mit dem Projekt.

"Engagierte Personen"

Erster Preis: Albert Löhner, Landrat des Landkreises Neumarkt i.d.Opf. und Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes Neumarkt i.d.Opf.

Albert Löhner hatte schon immer die ganze Region um Neumarkt im Blick: er initiierte Anfang der 90iger Jahre die Schule für Dorf- und Landentwicklung im Kloster Plankstetten im Landkreis Neumarkt als erste derartige Einrichtung in Bayern.

Als Wegbereiter des kooperativen Naturschutzes initiierte er 1993 das erste BayernNetz Natur-Projekt im Tal der Weißen Laaber und damit eines der großen Biotopverbundprojekte in der Oberpfalz. Umgesetzt durch den Landschaftspflegeverband Neumarkt i.d.Opf. war das Projekt eines der ersten im Naturschutz, in dem die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren unter Beteiligung der Bürger vor Ort hervorragend funktionierte. Weitere von Albert Löhner initiierte Naturschutzprojekte folgten.

Unter seiner Federführung wurde die Regionale Innovationsagentur REGINA ins Leben gerufen, die bayern- und bundesweit als vorbildliches Beispiel für die Entwicklung des Ländlichen Raumes steht mit der Regionalmarke „NeuMarkt“, dem regionalen Bonussystem „Regionaldo“ oder der Tourismusmarke „Oberpfälzer Juratäler“. Im Zusammenhang damit etablierte er eine nachhaltige Regionalentwicklung mit aktiver Bürgerbeteiligung.

Auch der Erhalt der Bäuerlichen Landwirtschaft liegt ihm sehr am Herzen. So konnte man immer auf ihn zählen, wenn es darum ging, regionale landwirtschaftliche Produkte wie „Juradistl-Lamm“ und „Laaber Weisser Apfelsaft“ zu bewerben.

Umweltbildung sieht er als wichtiges Instrument für die Verwurzelung von Menschen in einer Region. So wurde die Umweltbildungsstation am Habsberg unter seiner Federführung aufgebaut und etabliert.

So viel Weitsicht und Engagement wurde mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis 2007 ausgezeichnet.

Zweiter Preis: Horst Möhring, ehrenamtlicher Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes „Lenzener Elbtalaue"

Als Landwirt und Vorsitzender führte Horst Möhring seit 1990 unter dem Dach der „Agrar-Holding Lenzen“ Landwirtschaft, Tourismus, Kultur und Wirtschaftsförderung zusammen und engagiert sich besonders bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien.
Durch Erhalt und Umnutzung der örtlichen Infrastruktur hat er entscheidend dazu beigetragen vielfältige neue Arbeitsplätze zu schaffen, z.B. im Bereich Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung, Landschaftspflege und Umweltbildung.
Als besonders herausragende Beispiele sind hier eine Filzschauwerkstatt, ein Schullandheim mit Umweltbildungsangeboten und die Arbeit mit alten Anbausorten zu nennen.
Unter seiner Federführung ist so in der strukturschwachen Region an der brandenburgischen Elbe eine völlig neue Arbeitslandschaft entstanden, die entscheidend dazu beiträgt, die Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raumes zu stärken und den Menschen ihre Identifikation mit der Region, ihrer Heimat, zurückzugeben.
Das Engagement von Horst Möhring machte den LPV zu einer Plattform für Vernetzung und Kommunikation der nachhaltigen Regionalentwicklung.
In seinem wohlverdienten Ruhestand isetzt er sich engagiert für die Deichrückverlegung Lenzen und Schaffung neuer Überflutungsräume an der Elbe zum Aufbau einer in Europa einzigartigen intakten Auenlandschaft zu engagieren.

Dieses Lebenswerk zeichnet der Deutsche Verband für Landschaftspflege mit dem Deutschen Landschfatspflegepreis 2007 aus.

Preisträgerinnen und Preisträger 2006

"Innovative Projekte"

Erster Preis: Betriebsbezogene Naturschutzpläne für Landschaftspflege mit Schafen in Sachsen-Anhalt

Inhalt dieses Projekts war eine biotoptypengerechte Schafbeweidung von naturschutzfachlich wertvollem Grünland. Dabei wurden in Sachsen-Anhalt erstmals betriebliche Naturschutzpläne als Grundlage für den Landwirt und die Behörden erstellt. Darin werden alle Agrarumweltprogramme, Vertragsnaturschutz und Verpflichtungen etwa aus der Umsetzung von Natura 2000 auf Betriebsebene zusammengefasst und optimiert.

Sinn und Zweck ist es, eine Vereinfachung der Bewirtschaftung zu erreichen. Davon profitieren der Naturschutz und die landwirtschaftlichen Betriebe gleichermaßen, weil die einzelnen Maßnahmen in die Arbeitsabläufe des Betriebs eingebaut werden.

Der Erfolg nach zwei Projektjahren: Flächen, die bereits nicht mehr genutzt wurden, weil ihre Bewirtschaftung dem Betrieb zu aufwändig und fremd geworden war, konnten wieder beweidet werden, die Filzschicht ist abgetragen, einzelne Arten wie das Frühlings-Adonisröschen nehmen zu und die Verbuschung ist gestoppt.

Die bisherigen Projektergebnisse liefern Impulse für die inhaltliche Neugestaltung der Agrarumweltprogramme ab 2007.

Dafür wurde dieses Projekt mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis 2006 ausgezeichnet.

Zweiter Preis: Treenelandschaft ins Bild gesetzt

Der Naturschutzverein Obere Treenelandschaft hat im vergangenen August acht renommierte Künstler aus den Reihen der Norddeutschen Realisten eingeladen, die von Wasser, Wiesen, Wäldern und Dünen geprägte Region südlich von Flensburg in Bildern festzuhalten. Gemalt wurde eine Woche lang pleinair, also unter freiem Himmel, bei Wind und Wetter. In dieser Zeit sind über 100 wunderbare Bilder entstanden, die verschiedene Landschaften, Wolkenformationen und Stimmungen der Treenelandschaft wiedergeben.

Begleitend ist ein Bildband mit einer Auswahl von Werken und Texten sowie Fotos des Symposiums entstanden. Eine gelungene Präsentation der Oberen Treenelandschaft auch für diejenigen, die kein Öl- oder Aquarellbild auf der anschließenden Ausstellung erstanden haben.

Die Künstler erhielten an den 7 Tagen vom Verein eine all-inclusive Versorgung inkl. Unterbringung und Verpflegung. Neben diesem Service entstanden nicht unerhebliche Kosten für den Druck von Plakaten sowie des Bildkataloges. Mit Hilfe von Sponsoren und dem Erlös aus den Bilderverkäufen konnte mittlerweile jedoch ein Gewinn erwirtschaftet werden.
Die Bilder waren im März 2006 im Landtag in Kiel ausgestellt.

Dieses kreative Projekt mit hervorragenden Effekten für die Öffentlichkeitsarbeit wurde 2006 mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet.

"Engagierte Personen"

Erster Preis: Bäuerlicher Familienbetrieb Discher

Der Landwirtschaftsbetrieb Discher, Mitglied im Landschaftspflegeverein, kooperiert mit dem Landschaftspflegeverein Randow-Welse-Sernitz in Brandenburg. Seit 1992 ist Gerhard Discher Gründungs- und Vorstandsmitglied, hat Pflegeverträge über Hecken- und Saumpflanzungen an Feldrainen, Straßen und Grabenrändern in seiner Obhut.
Er leitet einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 450 ha Acker- und Grünland, lässt 100 Mutterkühe weiden und hat 350 Schweine im Stall.

Mit Hecken und Grabenbepflanzungen in der Randow-Niederung fing alles an, doch mit der Zeit wurde das Arbeitsgebiet des Landschaftspflegers Discher immer größer. Ob nun Pflanzungen in Peetzig, Wilmersdorf, Groß Schönebeck oder Pflege- und Unterhaltsarbeiten im gesamten Verbandsgebiet - alles packte er mit Herzblut an!
Die Ergebnisse können sich sehen lassen: mittlerweile kümmert er sich um über 54.000 Sträucher!

Im ausgeräumten und meliorierten Niedermoor der Randow-Niederung pflanzte er Anfang der 90er Jahre die ersten einheimischen und dorftypischen Gehölze wie Schlehen, Holunder, Flieder, Weißdorn, Wildapfel, Birnen und Ebereschen. Das derzeit größte Projekt findet im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen von Straßenbauarbeiten statt.

Gerhard Discher ist nicht nur engagierter Landschaftspfleger, er richtete zahlreiche Arbeitsplätze (30) ein, zumeist für Frauen aus dem Ort, die sich vor allem mit der Ernte und Verarbeitung der Wildfrüchte zu Wein, Marmelade, Liköre und Saft wie zu Großmutters Zeiten beschäftigen. Daran angegliedert wurde eine mittlerweile etablierte Vermarktung dieser Produkte.
Mit seiner Arbeit trägt er maßgeblich zur Identifizierung der heimischen Bevölkerung mit ihrer Region bei, fördert das Interesse und motiviert zur Mithilfe. Dafür wurde er mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis 2006 ausgezeichnet.

Zweiter Preis: Frieder Stimpel, 1. Bürgermeister in Schneeberg

Frieder Stimpel trifft man selten im Büro. Lieber ist er in Schneeberg unterwegs und redet mit den Menschen, besichtigt Baustellen, trifft Vereinbarungen und löst Konflikte. Dabei stellt er sich nie in den Mittelpunkt.

Eines seiner Steckenpferde ist die Landschaft rund um die Bergbaustadt Schneeberg. So konnte der Landschaftspflegeverband Westerzgebirge mit Unterstützung der Stadt Schneeberg zahlreiche Hecken, eine Streuobstwiese und eine Waldrandgestaltung auf kommunalem Grund anlegen. Im Ortsteil Lindenau begann die erste Flurneuordnung in Sachsen, bei der die Stadt Schneeberg eine Vielzahl von Biotopen und Randflächen in ihre Verantwortung übernommen hat.

Frieder Stimpel ist ein Befürworter der Naturmärkte im Erzgebirge. Der Landschaftspflegeverband hat den ersten Naturmarkt 1995 in Schneeberg auf dem Marktplatz mit großem Erfolg durchgeführt, was ohne die unkomplizierte Unterstützung des Bürgermeisters nicht möglich gewesen wäre. Es war etwas völlig Neues für die Region. Er übernahm die Schirmherrschaft und hält diese bis heute aufrecht. 2006 findet nun schon der 12. Naturmarkt in Schneeberg statt und erfreut sich weiterhin großer Popularität.

Herr Stimpel war der Initiator für die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge der Kommunen und Landwirte für den Landschaftspflegeverband Westerzgebirge . Dies stellt einen unschätzbaren ideellen und finanziellen Dienst für den Verein und die Wertschätzung der Arbeit dar. Seinem Engagement ist die Mitgliedschaft des Landkreis Aue-Schwarzenberg im Landschaftspflegeverband mit zu verdanken.

Ohne die Aktivitäten von Frieder Stimpel in der kommunalen und politischen Arbeit hätte der LPV Westerzgebirge manche Erfolge nicht erreichen können. Es ist eine Partnerschaft entstanden, die auf gegenseitiges Vertrauen, Ehrlichkeit und Menschlichkeit basiert. Für diesen überdurchschnittlichen Einsatz wurde Frieder Stimpel 2006 mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet.

Preisträgerinnen und Preisträger 2005

Zwei Projekte und zwei Personen wurden am Deutschen Landschaftspflegetag 2012 für ihre herausragenden Leistungen zum Erhalt und zur Entwicklung der Kulturlandschaften mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet. Landrätin Birgit Hesse und Josef Göppel, Vorsitzender des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege, übergaben die Preise am 19. September 2012 im Schloss Hasenwinkel in Bibow, Nordwestmecklenburg.

"Innovative Projekte"

Erster Preis: Beweidung der Königshofener Heide - LPV Stadt Augsburg

Der Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg erreichte, dass nach langen Jahren der Abstinenz die bundesweit einmaligen Heideflächen im Stadtgebiet wieder von zwei Schafherden beweidet werden. „Schafe in der Stadt, das schafft ganz neue Ansätze für den Kontakt mit Bürgern, das erfordert Toleranz und birgt große Chancen für den Naturschutz“, so Josef Göppel MdB bei der Laudatio.

Dass Schäfer mitten in der Stadt Naturschutzflächen nachhaltig bewirtschaften, ist nur durch eine intensive Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit des Landschaftspflegeverbandes ermöglicht worden. Diese war auch die Initialzündung für einen Zusammenschluss aller in der Umweltbildung aktiven Gruppen in der Stadt Augsburg. Koordiniert vom Landschaftspflegeverband bietet ein Netzwerk aus Fischern, Agenda-21-Gruppen, Naturschutzverbänden und zahlreichen weiteren Gruppen und Personen gemeinsam Umweltbildung pur an – mit riesiger Resonanz in der Bevölkerung der schwäbischen Großstadt.

Zweiter Preis: Nachbarschaftsaktionen und Natura 2000 - Bergwiesen im Westerzgebirge LPV Westerzgebirge

Der Landschaftspflegeverband Westerzgebirge erhält den Preis für sein vielfältiges Engagement für die Bergwiesen im Erzgebirge. Entscheidend für den Erfolg bei der Sicherung dieser artenreichen und attraktiven Lebensräume war die langjährige innovative Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes. Bergwiesenfeste mit mehreren tausend Besuchern, die Prämierung der attraktivsten Bergwiesen der Region, Projekte mit Schulklassen, Führungen oder Konzepte zur Besucherlenkung waren nur einige Bausteine davon. Der Landschaftspflegeverband hat über Natura-2000-Wandertouren auf attraktive Weise das europäische Schutzgebietssystem vorgestellt. Auf die besondere Funktion der sächsischen Bergwiesen im europäischen Schutzgebietssystem werden Schüler, Touristen und Einheimische so hingewiesen. Grenzübergreifende Pflegeaktivitäten mit den tschechischen Nachbarn auf dem Kamm des Erzgebirges runden die beeindruckende Erfolgsbilanz ab.
Landwirte konnte der Verband über Fördermittel von EU und Freistaat Sachsen wieder für die aufwändige Pflege der Bergwiesen gewinnen und damit auch Skeptiker für das EU-Naturschutznetz überzeugen.

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