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Deutscher Landschaftspflegepreis 2026

23.06.2026

Drei Personen, zwei Projekte und eine Innovation werden am Deutschen Landschaftspflegetag 2026 für ihre herausragenden Leistungen zum Erhalt und zur Entwicklung der Kulturlandschaften mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet. Prof. Dr. Thomas Schmid, Präsident des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie, übergibt mit DVL-Vorsitzender Maria Noichl MdEP die Preise am 23. Juni in Kassel.

Ansbach/Kassel – Der erste Preis der Kategorie „Innovative Projekte“ geht an den Landschaftspflegeverband (LPV) Landkreis Göttingen (Niedersachsen) für die Mischbeweidung des Übergangsmoores „Hühnerfeld“. Mit dem zweiten Preis wird das Regionalbündnis Mecklenburgische Schweiz (Mecklenburg-Vorpommern) für das Projekt „Klimaresilienter Dialog-Acker“ ausgezeichnet. Das Wirken von Dr. Wolfgang Ehmke (Hessen) würdigt der DVL mit dem ersten Preis der Kategorie „Engagierte Personen“. Der zweite Preis wird Martin und Hubert Bartl (Bayern) verliehen. Mit einem Sonderpreis wird in diesem Jahr die Firma Fischer Maschinenbau für ihre technische Innovation „EcoCut“ gewürdigt.

Der Deutsche Landschaftspflegepreis wird seit 2005 jährlich vergeben. Die zwei Preise in den beiden Kategorien „Innovative Projekte“ und „Engagierte Personen“ sind mit insgesamt 4.500 Euro dotiert, der Sonderpreis ist undotiert. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) als Dachverband der 200 Landschaftspflegeorganisationen in Deutschland, wie Landschaftspflegeverbände, Landschaftserhaltungsverbände, Lokale Aktionen und Biologische Stationen, lobt den Landschaftspflegepreis für herausragende Projekte sowie für außerordentliches Engagement von Personen, Organisationen und Unternehmen aus.

Mischbeweidung des Übergangsmoores „Hühnerfeld“ – 1. Preis Kategorie „Innovative Projekte“

Das Übergangsmoor „Hühnerfeld“ im Süden Niedersachsens ist ein wertvoller Lebensraum, dessen artenreiche Pflanzengesellschaften nach Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung zunehmend durch Sukzession bedroht waren. Durch die innovative Mischbeweidung mit Islandpferden und Rindern gelang es, diese Entwicklung umzukehren. In enger Kooperation zweier landwirtschaftlicher Betriebe, des Landkreises Göttingen sowie zahlreicher weiterer Akteure wurde ein langfristiges Pflegekonzept etabliert, das naturschutzfachliche Anforderungen und landwirtschaftliche Praxis miteinander verbindet. Trotz schwieriger Ausgangsbedingungen – wie unwirtschaftlicher Nutzung und giftigen Pflanzenbeständen – entwickelte sich das Projekt zu einem erfolgreichen Beispiel kooperativer Landschaftspflege. Bereits wenige Jahre nach Wiederaufnahme der Beweidung gingen Dominanzbestände zurück und die Artenvielfalt nahm deutlich zu. Die kontinuierliche fachliche Begleitung, flexible Vertragsgestaltung und breite Einbindung regionaler Partner machen das Projekt zu einem vorbildlichen Modell für nachhaltige Landnutzung und erfolgreichen Moorschutz.

Klimaresilienter Dialog-Acker – 2. Preis Kategorie „Innovative Projekte“

Mit dem Dialog-Acker in Gessin (Mecklenburg-Vorpommern) wurde auf 22 Hektar eines zuvor konventionell bewirtschafteten Ackers das bislang größte Agroforstprojekt des Bundeslandes geschaffen. Durch die Pflanzung von rund 700 Bäumen, 4.000 Heckenpflanzen sowie die Anlage von Nist- und Sitzmöglichkeiten für Tiere entstand ein strukturreicher, ökologisch bewirtschafteter Lern- und Demonstrationsstandort. Das Projekt verbindet landwirtschaftliche Praxis, Wissenschaft und gesellschaftlichen Dialog und zeigt beispielhaft, wie eine naturverträgliche und klimaresiliente Landnutzung umgesetzt werden kann. Bereits heute sind deutliche ökologische Erfolge sichtbar: Die Artenvielfalt nimmt zu, seltene Vogelarten kehren zurück und natürliche Prozesse wie Humusaufbau und Schädlingsregulation werden gestärkt. Durch ein begleitendes Monitoring unter Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern sowie wissenschaftlichen Partnern entsteht praxisnahes Wissen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.

Dr. Wolfgang Ehmke – 1. Preis Kategorie „Engagierte Personen“

Dr. Wolfgang Ehmke setzt sich seit Jahrzehnten mit außergewöhnlichem Engagement für den Erhalt der Kulturlandschaften im Rheingau-Taunus-Kreis ein. Der Agrarbiologe und Botaniker hat den LPV Rheingau-Taunus aus der Taufe gehoben, den er bis heute fachlich begleitet. Sein Wirken verbindet wissenschaftliche Expertise mit praktischer Naturschutzarbeit: Er war maßgeblich an der Entstehung des Feldflora-Reservates Schlangenbad-Hausen beteiligt, das seltene Ackerwildkräuter dauerhaft schützt, und unterstützte zahlreiche Projekte zur Wiederansiedlung gefährdeter Pflanzenarten sowie zur Entwicklung wertvoller Lebensräume. Mit der von ihm gegründeten Bürgerstiftung „Unser Land! Rheingau und Taunus“, dem Wolfgang-Ehmke-Preis für innovative Natur- und Klimaschutzprojekte sowie unzähligen Exkursionen und Veröffentlichungen sensibilisiert er die Öffentlichkeit für den Wert artenreicher Kulturlandschaften. 

Martin und Hubert Bartl – 2. Preis Kategorie „Engagierte Personen“

Familie Bartl aus Freising-Sünzhausen engagiert sich in enger Zusammenarbeit mit dem LPV Freising für die naturschutzfachlich wertvolle Bewirtschaftung sensibler Flächen. Durch den gezielten Einsatz gefährdeter Nutztierrassen wie Bergschafen, Murnau-Werdenfelser Rindern oder Pinzgauern entwickelt und realisiert sie standortangepasste Beweidungskonzepte, die den Erhalt artenreicher Offenlandlebensräume sichern. Darüber hinaus bringt sich die Familie aktiv in den Artenschutz ein, etwa durch Maßnahmen zum Schutz von Wiesenbrütern und eine angepasste Bewirtschaftung. Mit ihrem fachlichen Engagement verbindet sie Landwirtschaft und Naturschutz auf vorbildliche Weise und trägt dazu bei, nachhaltige Landnutzung in der Region langfristig zu etablieren und sichtbar zu machen.

Fischer Maschinenbau und ihre Produktinnovation „EcoCut“ – Sonderpreis

Mit dem EcoCut wurde eine innovative, praxistaugliche Technik zur deutlich insektenschonenderen Grünlandmahd entwickelt. Die von der Firma Fischer Maschinenbau konzipierte pneumatische „Insektenscheuche“ wird vor dem Mähwerk angebracht und verdrängt Insekten bereits vor dem Schnitt aus dem Gefahrenbereich. Studien zeigen, dass sich die Mortalität von Insekten bei der Mahd dadurch erheblich reduzieren lässt. Die Technik ist einfach nachrüstbar, mit gängigen Mähgeräten kombinierbar und sowohl im landwirtschaftlichen als auch im kommunalen Bereich einsetzbar – etwa im Grünland, auf Streuobstwiesen oder im Straßenbegleitgrün. Durch die breite Anwendbarkeit trägt EcoCut dazu bei, die Artenvielfalt und Biomasse von Insekten nachhaltig zu erhalten und zugleich eine wirtschaftliche und effiziente Flächenpflege sicherzustellen. Als niedrigschwellige Innovation mit großer Wirkung setzt das Produkt ein wichtiges Signal für eine biodiversitätsschonende Landbewirtschaftung.

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