Weidetierhaltung zukunftsfähig machen: Verbände fordern Anpassung der GAP ab 2028
02.09.2026
Ansbach, Berlin – Die Weidetierhaltung ist ein zentraler Baustein für die Zukunft von Landwirtschaft, Naturschutz und ländlichen Räumen. Vor dem Hintergrund der Vorschläge der Europäischen Kommission zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 appellieren Verbände aus Landwirtschaft, Landschaftspflege und Naturschutz in einer heute veröffentlichten Position, beim Erhalt und Nutzung unserer Wiesen und Weiden Schwerpunkte zu setzen.
Weidetiere mit Schlüsselrolle für Gesellschaft und Umwelt
Betriebe mit Weidetieren wie Schafe, Ziegen oder Rinder leisten weit mehr als einen Beitrag zur Erzeugung hochwertiger regionaler Lebensmittel. Sie sichern die Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden, fördern dadurch die biologische Vielfalt, stärken den Wasserrückhalt in der Landschaft und helfen Kohlenstoff in den Böden zu binden. Weidetiere sind für unsere europäischen Naturschutz- und Klimaziele unverzichtbar und prägen zahlreiche touristisch attraktive Landschaften.
Nach Auffassung der Verbände stehen die gesellschaftlichen Leistungen der Weidetierhaltung jedoch in starkem Gegensatz zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vieler Betriebe. Seit Jahrzehnten gehen die Zahlen der Weidetiere in Deutschland zurück. Der anhaltende Rückgang muss deshalb dringend gestoppt werden.
Besondere Bedeutung kommt dabei der neuen GAP-Förderperiode ab 2028 zu. Die Europäische Kommission habt in ihren aktuellen Empfehlungen ausdrücklich hervorgehoben, dass „nachhaltiges Grünlandmanagement und Weidesysteme hohe Priorität bei der Förderung genießen sollten“. Dies ist ein deutliches Signal an die Mitgliedstaaten, die Weidetierhaltung künftig stärker zu unterstützen.
Handlungsbedarf bei der Ausgestaltung der GAP
In der Stellungnahme sind insgesamt 14 Themenfelder genannt, die für weidetierhaltende Betriebe von Bedeutung sind. Besonders wichtig sind dabei:
- verlässliche und langfristig gesicherte Instrumente zur finanziellen Absicherung der Betriebe, speziell auch ihrer Umweltleistungen. D.h. ausreichende Finanzierung und praxisgerechte Ausgestaltung der gekoppelten Einkommensstützung, der Ausgleichszulage, den Agrarumwelt- und Klimaaktionen oder den investiven Förderprogrammen,
- ein Abbau von Dokumentations-, Kontroll- und Nachweispflichten sowie harmonisierte Förderregelungen und praxistaugliche Kontrollsysteme,
- neue Möglichkeiten der GAP für Betriebsgründungen und -umstellungen zur Unterstützung des Generationswechsels, Etablierung von Betriebshilfen oder der Etablierung neuer Weidebetriebe in Deutschland umzusetzen.
Weidetierhaltung als Investition in die Zukunft
Die Autorinnen und Autoren der Stellungnahme kommen zu dem Schluss, dass die gesellschaftlichen Leistungen der Weidetierhaltung künftig deutlich stärker honoriert werden müssen. Nur wenn Bund, Länder und Europäische Union die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, können die Betriebe ihre Beiträge zu Biodiversität, Klimaschutz, regionaler Wertschöpfung und zum Erhalt wertvoller Kulturlandschaften auch künftig leisten.
Wer Artenvielfalt, Klimaschutz und lebendige Kulturlandschaften sichern will, muss die Weidetierhaltung gezielt stärken und die GAP entsprechend weiterentwickeln.
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