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Vom Wiesengras zum Wertstoff: Fachleute diskutieren Perspektiven für Grünland-Biomasse

22.10.2026

Ansbach 22.10.2026 – Wie kann Grünlandbiomasse künftig als Rohstoff für eine klimaneutrale und biobasierte Wirtschaft genutzt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Fachtagung "Gras-Bioökonomie: Potenziale und Verwertungswege von Grünland-Biomasse", die im Rahmen des DVL-Ideenwettbewerbs Bioökonomie im ländlichen Raum am Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig stattfand. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Wirtschaft und Praxis diskutierten aktuelle Erkenntnisse, innovative Verwertungsansätze und notwendige Rahmenbedingungen für eine bioökonomische Nutzung von freiwerdendem Grünland.

Die Diskussionen machten deutlich: Nach Einschätzung der Fachleute wird künftig mehr Grünlandaufwuchs außerhalb der klassischen Futterproduktion zur Verfügung stehen. Ursachen sind Veränderungen der Landnutzung z.B. wegen rückläufige Tierbestände gezielter Vernässung oder Klimaveränderungen. Gleichzeitig stehen Gesellschaft und Wirtschaft vor der Herausforderung, fossile Rohstoffe durch nachhaltige Alternativen zu ersetzen, wodurch die Nachfrage an biogenen Kohlenstoffquellen steigt. Grünlandbiomasse, auch auf extensivierten Flächen kann hierzu einen Beitrag leisten. Eine bioökonomische Nutzung kann Perspektiven für den Erhalt der Grünlandbewirtschaftung bieten und sollte daher stärker vor allem regionalspezifisch berücksichtigt werden.

Die Fachbeiträge zeigten eine große Bandbreite möglicher Nutzungspfade auf. Neben etablierten Anwendungen in Biogasanlagen wurden zahlreiche stoffliche Verwertungsoptionen vorgestellt, darunter Graspapier, Faserwerkstoffe, Dämmstoffe, Torfersatzprodukte, Pflanzenkohle sowie Produkte aus Bioraffinerien. Als besonders vielversprechend wurde die Kaskadennutzung bewertet, bei der aus derselben Biomasse zunächst hochwertige Materialien und Produkte hergestellt werden, bevor verbleibende Reststoffe energetisch genutzt werden. Dieser Ansatz erhöht die Wertschöpfung und verbessert die Ressourceneffizienz. Durch die Etablierung von Kreislaufmodellen bleiben auch die Nährstoffe auf dem Betrieb oder in der Region.

Trotz vielfältiger technischer Möglichkeiten sehen die Expertinnen und Experten die wesentlichen Herausforderungen weniger in der Technologie als vielmehr in der Wirtschaftlichkeit und Organisation. Hohe Ernte-, Transport- und Verarbeitungskosten, fehlende Absatzmärkte sowie unsichere Rahmenbedingungen erschweren bislang den breiten Markthochlauf. Als entscheidende Erfolgsfaktoren wurden deshalb regionale Wertschöpfungsketten, kurze Transportwege, die Nutzung bestehender Infrastruktur sowie langfristige Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Kommunen, Unternehmen und Energieversorgern genannt.

Darüber hinaus wurde deutlich, dass die Entwicklung einer Gras-Bioökonomie nicht allein durch Förderprogramme gelingen kann. Langfristig müssen Unternehmen in die Lage versetzt werden, die Kosten nachhaltiger Landbewirtschaftung sowie die damit verbundenen Klima- und Biodiversitätsleistungen über marktfähige Produkte zu refinanzieren. Die Tagungsteilnehmenden waren sich einig, dass hierfür verlässliche politische Rahmenbedingungen, der Abbau regulatorischer Hürden und die Honorierung von Ökosystemleistungen notwendig sind.

Das Fazit der Veranstaltung war positiv: Die Potenziale von Grünlandbiomasse für Klimaschutz, Rohstoffversorgung und regionale Entwicklung sind relevant. Wirtschaftlichkeit und bioökonomische Nutzung von Grasbiomasse sind grundsätzlich vereinbar. Die Technologie ist weitgehend vorhanden und erprobt. Um die Potenziale zu erschließen, braucht es jedoch regionale Strategien, starke Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette und den konsequenten Aufbau neuer Märkte für biobasierte Produkte.

Die Veranstaltung war Teil des DVL-Ideenwettbewerbs Bioökonomie im ländlichen Raum und bot Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis einen Überblick über aktuelle Entwicklungen, Potenziale und Herausforderungen der bioökonomischen Nutzung von Grünlandbiomasse.

Einen Tagungsband, eine Zusammenfassung und die Präsentation finden Sie hier.

Weitere Informationen unter www.ideenwettbewerb.dvl.org 

Das Projekt Ideenwettbewerb Bioökonomie wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert und von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) betreut.


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