Starkregen und Dürreperioden: Wasserschutz beginnt in der Landschaft
12.10.2026
Ansbach/Weisendorf – Der Sommer 2026 war außergewöhnlich heiß und trocken, gleichzeitig stellen Starkregen und Hochwasser Regionen und Kommunen vor große Herausforderungen. Unter dem Motto „Wasser sichern – Landschaft gestalten“ diskutierten Fachleute aus Politik und Landwirtschaft sowie Wasserversorger beim Bayerischen Landschaftspflegetag am gestrigen Montag in Weisendorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt, wie Wasser besser in der Landschaft gehalten und damit auch die Wasserversorgung langfristig gesichert werden kann. Veranstalter waren der DVL und die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL).
Gestaltung der Landschaft entscheidend für Wasserhaushalt
Wie angespannt die Wassersituation im Freistaat aktuell ist, zeigt der Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern: Das Niederschlagsdefizit im laufenden Abflussjahr liegt bei 32 Prozent in Nordbayern und 37 Prozent in Südbayern. 86 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen weisen derzeit niedrige Verhältnisse auf. Umso wichtiger ist es, Wasser dort, wo es fällt, in der Landschaft zurückzuhalten und den Landschaftswasserhaushalt nachhaltig zu stärken.
„Wie wir unsere Landschaft gestalten, hat unmittelbaren Einfluss auf unser Trinkwasser, eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen“, erläutert DVL-Vorsitzende Maria Noichl MdEP. Böden, Gewässer, Feuchtwiesen, aber auch Hecken und andere Landschaftsstrukturen seien entscheidend dafür, wie Wasser aufgenommen, gespeichert und weitergegeben wird. „Landschaftspflegeverbände können hier in Bayern einen wichtigen Beitrag leisten.“ Damit sie diese Aufgabe auch künftig erfüllen können, brauche es eine verlässliche Bereitstellung von Fördermitteln. Als Europaabgeordnete setze sie sich deshalb auch für die weitere finanzielle Ausstattung von Natur- und Klimaschutzmaßnahmen in der Gemeinsamen Agrarpolitik ein.
Die politische Sprecherin der bayerischen Landschaftspflegeverbände, Tanja Schorer-Dremel MdL, sieht im Wassercent eine Chance für den Wasserschutz vor Ort: „Die zweckgebundenen Einnahmen aus dem Wassercent müssen dort Wirkung entfalten, wo unsere Wasserressourcen geschützt werden: in der Landschaft. Dafür sind die Landschaftspflegeverbände starke Partner. Sie bringen Landwirtschaft, Kommunen und Naturschutz an einen Tisch und setzen gemeinsam Maßnahmen um, die Wasser zurückhalten, Böden schützen und wertvolle Lebensräume erhalten.“ Schorer-Dremel versicherte zudem, sich dafür einzusetzen, dass ihre Erfahrung und ihre regionalen Netzwerke bei der Verwendung der Mittel gezielt genutzt würden. So werde aus dem Wassercent eine Investition in die Wassersicherheit unserer Heimat.
Wasserversorgung ist zentrale Zukunftsaufgabe des Freistaats
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber hat die Sicherung der Wasserversorgung beim Bayerischen Landschaftspflegetag als zentrale Zukunftsaufgabe bezeichnet. Der Freistaat verfolgt mit dem Programm Wasserzukunft Bayern 2050 das Ziel, die öffentliche Wasserversorgung langfristig zu sichern und zugleich den Wasserhaushalt in der Fläche zu stärken. Ein Schwerpunkt liegt darauf, Wasser möglichst in der Landschaft zurückzuhalten und die Grundwasserneubildung zu unterstützen.
Glauber betonte, die Verbindung von Wasser und Natur werde in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger. Landschaftspflege bedeute heute mehr denn je, die Natur zu schützen und unsere Landschaft zukunftsfest zu machen. Das gelinge vor allem durch Zusammenarbeit vor Ort. Die Landschaftspflegeverbände leisten dazu einen wichtigen Beitrag: bei mehrjährigen Großprojekten zur Wiedervernässung von Mooren, dem Erhalt von Feuchtbiotopen oder der ökologischen Aufwertung von Gewässern. Wer Wasser in der Landschaft halte, stärke ihre Widerstandskraft – ganz konkret und vor Ort.
„Mein herzlicher Dank gilt dem Deutschen Verband für Landschaftspflege und allen bayerischen Landschaftspflegeverbänden für ihr großes und unverzichtbares Engagement. Sie pflegen unsere wertvollen Lebensräume, schaffen neue und bewahren damit Natur und Heimat für kommende Generationen. Das ist eine Leistung von unschätzbarem Wert und eine Investition in unsere Zukunft. Denn die Landschaft von morgen entsteht heute", so Glauber.
Landschaftspflegeverbände als Partner der Wasserversorger
Insbesondere in Wasserschutzgebieten kommt landwirtschaftlich genutzten Flächen eine zentrale Bedeutung für die Qualität und Verfügbarkeit des Grundwassers zu. Hier können Landschaftspflegeverbände als Brückenbauer zwischen Wasserversorgern und landwirtschaftlichen Betrieben wirken. Sie beraten Landwirt*innen zu wasser- und bodenschonenden Bewirtschaftungsformen, entwickeln praxistaugliche und einvernehmliche Konzepte, erschließen passende Fördermöglichkeiten und begleiten die Umsetzung vor Ort.
Die ANL unterstützt seit Jahren den Landschaftspflegetag des DVL als Kooperationspartner. ANL-Direktorin Dr. Barbara Stammel betonte: „Unsere Akademie beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Thema Trockenheit und ihren Auswirkungen auf die Ökosysteme, aber auch mit der Fähigkeit von naturnahen und gepflegten Flächen, Wasser aufzunehmen und dieses langsamer abzugeben. Deswegen leisten Landschaftspflegeverbände mit ihren Umsetzungsprojekten einen essenziellen Beitrag zur Optimierung des Landschaftswasserhaushalts. Denn mit intelligenten Pflege- und Bewirtschaftungskonzepten und Maßnahmen wie extensiven Wiesen, Grabenmanagement oder Hecken lässt sich Wasser gezielt in der Fläche zurückhalten, ohne negative Auswirkungen zu riskieren.
„Die eingesetzten Mittel fließen direkt in den Schutz unserer Wasserressourcen“, betont Nicolas Liebig, Landessprecher der bayerischen Landschaftspflegeverbände. „Wer heute in Landschaftspflege investiert, stärkt damit auch die langfristige Sicherung unserer natürlichen Lebensgrundlagen.“
Wie die Zusammenarbeit gelingen kann, zeigte die Exkursion in das Wasserschutzgebiet West zwischen Erlangen und Möhrendorf. Dort arbeiten der Landschaftspflegeverband Mittelfranken und die Erlanger Stadtwerke gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben an der Entwicklung und Pflege von Flächen im Trinkwassereinzugsgebiet. Die Teilnehmenden konnten sich vor Ort ein Bild davon machen, wie die Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Wasserversorgern und Landschaftspflege dazu beitragen, Wasserressourcen zu sichern und gleichzeitig die Biodiversität zu fördern.
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