Simulation zeigt Agrarförderung von morgen
30.07.2026
Ansbach – Wie können Umwelt- und Klimaleistungen der Landwirtschaft künftig wirksam honoriert werden – und zugleich praxistauglich beantragt werden? Vor dieser Frage steht die Agrarpolitik mit Blick auf die kommende Förderperiode ab 2028. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) stellt mit der Gemeinwohlprämie 3D (GWP 3D) und der digitalen Anwendung smartGAPP einen Lösungsansatz vor, der die Umweltdienstleistungen in den Mittelpunkt rückt. Nun steht eine Demoversion von smartGAPP zur Verfügung, um die Handhabung – quasi dreidimensional – zu erproben.
smartGAPP macht die Gemeinwohlprämie digital anwendbar. Die Anwendung unterstützt Landwirt*innen dabei, passende Maßnahmen für ihren Betrieb auszuwählen, deren Beitrag zu Biodiversität, Klima-, Boden- oder Gewässerschutz transparent nachzuvollziehen und die Auswirkungen auf eine mögliche Honorierung direkt zu berechnen. Dabei werden ökologische Leistungen mit betriebswirtschaftlichen Überlegungen verknüpft. So erleichtert smartGAPP die Planung, macht die Funktionsweise des Systems nachvollziehbar und zeigt, wie eine zukünftige Förderung einfach, transparent und praxistauglich umgesetzt werden kann.
Die GWP 3D ist die Weiterentwicklung der vom DVL seit vielen Jahren konzipierten Gemeinwohlprämie. Die Idee dahinter: Statt pauschaler Flächenzahlungen werden konkrete Umwelt- und Klimaleistungen der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung auf einer wissenschaftlichen Basis bewertet. Maßnahmen für Biodiversität, Klima-, Boden- und Gewässerschutz werden über ein transparentes Punktesystem erfasst und bilden die Grundlage für eine zielgerichtete Honorierung.
Damit greift die GWP 3D zentrale Anforderungen an eine zukünftige Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf und zeigt, wie eine stärker wirkungsorientierte Förderung aussehen kann und dabei handhabbar und nutzerfreundlich wird.
„Mit der Gemeinwohlprämie 3D legen wir ein weiterentwickeltes Modell vor, das zeigt, wie Umwelt- und Klimaleistungen der Landwirtschaft wirksam und praxistauglich in der GAP ab 2028 verankert werden können. Jetzt geht es darum, die Praxiserfahrungen der Betriebe gemeinsam mit Politik und Verwaltung weiterzudenken“, sagt Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL.
Dafür laufen in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Thüringen bereits die Anwendungstests mit landwirtschaftlichen Pilotbetrieben an, weitere Bundesländer folgen. Die teilnehmenden Landwirt*innen, die von den Mitgliedsverbänden des DVL, den Landschaftspflegeorganisationen (LPV), betreut werden, können das System mit ihren eigenen InVeKoS-Daten nutzen und verschiedene Szenarien für ihren Betrieb testen. Auch alle anderen landwirtschaftlichen Betriebe können die digitale Simulation der GWP 3D mit ihren eigenen betrieblichen Daten in den bereits freigeschalteten Bundesländern ausprobieren. Die Erfahrungsberichte der Testbetriebe werden zeigen, ob die Landwirt*innen ein solches System grundsätzlich unterstützen.
„Agrarpolitische Lösungen können nur dann funktionieren, wenn sie nutzerfreundlich in der Praxis sind und von den Betrieben verstanden und angenommen werden. Genau dafür ist das Netzwerk des DVL und der LPV ideal geeignet. Die Anwendungstests zeigen, ob das GWP 3D-System in der landwirtschaftlichen Praxis überzeugt, und liefern damit wichtige Erkenntnisse für die politische Bewertung und den Einsatz des Systems“, erklärt Liselotte Unseld, Projektleiterin beim DVL.
Die Demoversion von smartGAPP steht ab sofort unter www.smartgapp.de online zur Verfügung und kann von allen Interessierten getestet werden. Entweder mit eigenen InVeKoS-Betriebsdaten in den oben genannten Bundesländern oder – wenn kein eigener Betrieb vorhanden – mit einem von acht verschiedenen Demobetrieben.
Mit der Gemeinwohlprämie verfolgt der DVL das Ziel, ein praxistaugliches, anschlussfähiges Honorierungssystem zu entwickeln, das Perspektiven für eine wirkungsorientierte GAP ab 2028 eröffnet. Die Verbindung aus fachlich fundiertem Punktesystem, regional verankertem Netzwerk und digitaler Unterstützung durch smartGAPP öffnet neue Perspektiven für eine gemeinwohlorientierte Agrarförderung.
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