Politik trifft Praxis: Wie stärken wir die Weidetierhaltung?
17.09.2026
Kirchberg/Jagst, Anlässlich einer Podiumsdiskussion zwischen Politik und Praxis am Vorabend des Kirchberger Weidekongresses veröffentlicht ein breites Verbändebündnis aus Landwirtschaft, Landschaftspflege und Naturschutz die „Kirchberger Erklärung zur naturnahen Beweidung“. Darin unterstreicht das Bündnis die hohe Bedeutung dieser Landnutzung für die politischen Ziele in Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz.
Eingeleitet wurde der Austausch durch ein Grußwort des Bundeslandwirtschaftsministers Alois Rainer. Er bekennt sich zur großen Bedeutung der naturnahen Weidetierhaltung und betont die Notwenigkeit der Förderung durch die GAP.
Maria Noichl (MdEP) von der S&D Fraktion und Vorsitzende des DVL sprach sich im Hinblick auf die künftigen GAP-Förderung gegen ein Gießkannenprinzip aus. Vielmehr sollte in Ergebnisse und in Wirkung von Maßnahmen investiert werden. Die Fördergelder wären in der Unterstützung der Weidetierhaltung sehr gut angelegt. „Die Wiese kann durch Beweidung Geld vermehren und das fließt gleichermaßen in die Taschen der Landwirtschaft, Biodiversität und des Tourismus.“
Herbert Dorfmann (MdEP) von der EVP-Fraktion betonte, dass es für viele Gebiete in Europa, wie zum Beispiel für die Alpenregion, keine Alternative zur Weidetierhaltung gibt. „Wenn dort keine Weide mehr ist, ist dort auch nichts mehr. Deshalb müssen wir diese Landschaften erhalten, weil sie uns auch Biodiversität liefern.“
Martin Häußling (MdEP) von den Grünen sorgt sich um den hohen Grünlandverlust der letzten Jahrzehnte. „Es ist schlecht für die Biodiversität, schlecht fürs Klima und schlecht für die Landschaften. Wir müssen Grünland wieder mehr in Wert setzen. Die Bauern sollen mit Umweltleistungen auch Geld verdienen und können zurecht Verlässlichkeit verlangen.“
Artur Auernhammer (MdB) Agrarpolitischer Sprecher der CSU Landesgruppe im Bundestag möchte einen stärkeren Fokus bei der Förderung auf den ländlichen Raum legen. „Sollten wir nicht mehr in die Menschen investieren als in die Quadratmeter?“
Umweltstaatsekretär Andre Baumann (MdL Baden-Württemberg): „Wir können unsere Kulturlandschaften und die Biodiversität nicht ohne die Weidetiere erhalten. Wenn die Finanzleistungen aus Brüssel nicht wie bisher bestehen bleiben, können wir das selbst als wohlhabendes Bundesland wie Baden-Württemberg nicht kompensieren.“
Sabrina Schulz (Deutsche Umwelthilfe): „Deutschland hat den gesetzlichen Auftrag, seine wertvollen Lebensräume zu erhalten und gestörte Ökosysteme zu reparieren. Statt Naturschutzziele zu ignorieren oder gar immer weiter abzuschwächen, brauchen wir endlich praxistaugliche Strategien für ihre Umsetzung. Weidetiere sind für die Wiederherstellung naturnaher Auen, Moore und Wiesen essenziell, der versprochene Rückhalt für Weidebetriebe muss daher bei der Ausgestaltung der kommenden GAP-Förderperiode oberste Priorität haben!”
Die Botschaft der anwesenden Praktiker und Praktikerinnen war klar: Ohne die gezielte Unterstützung weidetierhaltender Betriebe durch die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) wird es in Zukunft keine Weidetiere in der Landschaft mehr geben. EU, Bund und Länder seien hier gleichermaßen gefordert, deutliche Verbesserungen zu erreichen. Hier stehen vor allem die zuverlässige und ausreichende Finanzierung der Förderprogramme, ein Abbau von praxisfernen Prüfvorgaben sowie eine Unterstützung junger Landwirtinnen und Landwirten, die in die Weidetierhaltung einsteigen wollen.
Die Bedeutung der Weidetierhaltung für das Gemeinwohl ist unumstritten: Naturnahe Beweidung stärkt biologische Vielfalt, den Landschaftswasserhaushalt, Tierwohl, den Erhalt von Kulturlandschaften sowie regionale Wertschöpfungsketten.
Gefordert wurde daher, die erbrachten Gemeinwohlleistungen und den Mehraufwand für die Betriebe einkommenswirksam zu honorieren. Wichtige Maßnahmen sind u.a. die Festlegung eines Mindestbudgets für Agrarumwelt- und Klimaaktionen, die Weiterführung und den Ausbau der gekoppelten Prämie für Weidetiere sowie die Finanzierung von Investitionen. Naturnahe Weidetierhaltung wird dann auch einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zur Wiederherstellung unserer Ökosysteme leisten.
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