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Nach dem Dürresommer 2026: Wasser in der Landschaft halten

06.10.2026

Renaturierungsmaßnahmen im Tal der Großen Laber sichern Wasser, Klima und Lebensqualität in der Region.

Ansbach, Landshut, Kelheim, Regensburg, Straubing. 06.10.2026 – Wie sich Regionen auf Hitzeperioden, niedrige Pegelstände und ausgetrocknete Böden vorbereiten können, zeigt ein Renaturierungsprojekt im Tal der Großen Laber zwischen Rottenburg im Landkreis Landshut und der Mündung der Laber in die Donau bei Straubing. Gemeinsam mit vier Landschaftspflegeverbänden setzen die italienische Stiftung Fondazione Capellino und der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) Maßnahmen um, die Wasser länger in der Landschaft halten und zugleich wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen sichern sollen.

Im Rahmen des Projekts “Lebensraumverbund Große Laber“ werden von den Landschaftspflegeverbänden in den vier Landkreisen Landshut, Kelheim, Regensburg und Straubing-Bogen Feuchtgebiete, Moore, Gewässer und artenreiche Wiesen wiederhergestellt und miteinander vernetzt. Ziel ist es, natürliche Wasserspeicher zurückzugewinnen und bedrohten Arten neue Lebensräume zu bieten. So bringt der Landschaftspflegeverband Landshut insbesondere seine Erfahrungen mit Artenschutzmaßnahmen zum Schutz der Sumpfschrecke und des Laubfrosches in das Projekt ein. Der Landschaftspflegeverband VÖF Kelheim ist seit Jahrzenten im Labertal aktiv. Das Spektrum reicht vom Wiesenbrüterschutz über die Anlage von neuen Kleingewässern für Amphibien, Gehölzpflege, bis zur Pflegemahd und Mahdgutübertragung zur Entwicklung artenreicher Wiesen. Im benachbarten Landkreis Regensburg wurden im Rahmen des Projekts neben der Anlage von Kleingewässern umfangreiche Maßnahmen an den Fließgewässern realisiert, und diese durch Bepflanzung am Ufer und Strukturanreicherungen im Gewässer aufgewertet. Im Landkreis Straubing-Bogen mündet die Große Laber in die Donau. Dem dortigen Landschaftspflegeverband kommt die Aufgabe zu, hier mit gezielten Maßnahmen den Anschluss an diese europäische Verbundachse der Biodiversität herzustellen.

Die Große Laber als Testfall für die Zukunft
Die Große Laber durchzieht eine Kulturlandschaft, die seit Jahrhunderten von Landwirtschaft und Siedlungen geprägt ist. Genau in dieser Flussaue zeigt sich heute exemplarisch, welche Folgen Trockenperioden für Mensch und Natur haben können. Der Sommer 2026 hat gezeigt: Klassische Renaturierungskonzepte stoßen zunehmend an ihre Grenzen. So trocknen im Projektgebiet zahlreiche Kleingewässer bereits im Frühjahr aus. Gerade sie sind für bedrohte Amphibien wie den Laubfrosch von entscheidender Bedeutung. Wo Wasser fehlt, können die Tiere ihren Lebenszyklus nicht vollenden. Diese Erfahrungen haben die Projektpartner zum Umdenken gezwungen.

Heute reicht es nicht mehr aus, Lebensräume nach historischen Vorbildern wiederherzustellen. Entscheidend ist, ob sie auch unter den Bedingungen eines wärmeren und trockeneren Klimas funktionieren. Standorte werden deshalb neu bewertet, Wasserhaltevermögen genauer analysiert und die Bedeutung von Beschattung, Vegetation und Vernetzung stärker berücksichtigt. Das Projekt wird damit zu einem Praxislabor für klimaangepasste Renaturierung.

„Die Große Laber steht beispielhaft für viele Flusstäler in Bayern", erklärt Bernd Blümlein vom DVL. „Die Frage ist nicht mehr, ob wir unsere Landschaften an ein wärmeres und trockeneres Klima anpassen müssen, sondern wie schnell wir dies schaffen."

Mehr als Artenschutz
Die Erkenntnisse von der Großen Laber reichen weit über den Naturschutz hinaus. Denn eine Landschaft, die Wasser nicht speichern kann, gefährdet zunehmend auch die Lebensgrundlagen der Menschen. Austrocknende Böden mindern landwirtschaftliche Erträge, Wassermangel verschärft Nutzungskonflikte, Hitzewellen belasten die Gesundheit und Starkregen erhöht die Hochwassergefahr.

Genau hier setzen die Maßnahmen an der Großen Laber an. Moore, Feuchtgebiete und naturnahe Gewässer wirken wie natürliche Wasserspeicher: Sie halten Niederschläge länger in der Landschaft, fördern die Grundwasserneubildung und geben Wasser in Trockenzeiten schrittweise wieder ab. So stabilisieren sie den Wasserhaushalt, unterstützen die Landwirtschaft und stärken die Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren. Zugleich sorgen wasserreiche Landschaften für Kühlung und Hochwasserschutz. Verdunstung mindert Hitzebelastungen, während die Wasserspeicherung in der Fläche Hochwasserspitzen abflacht und Schäden an Siedlungen, Infrastruktur und landwirtschaftlichen Flächen reduziert.

Die Große Laber zeigt damit beispielhaft, worauf es künftig ankommt: Natürliche Ökosysteme sind nicht nur Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Sie gehören zur kritischen Infrastruktur unserer Gesellschaft. Wer Wasser in der Landschaft hält, schützt Arten, stärkt die Landwirtschaft, sichert Wasserressourcen und verbessert den Schutz vor Hitze und Hochwasser. Die Wiederherstellung natürlicher Funktionen ist damit eine Investition in die Zukunftsfähigkeit ganzer Regionen.

Der Dürresommer 2026 hat die Herausforderungen sichtbar gemacht. Das Projekt an der Großen Laber zeigt, wie Lösungen aussehen können.

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