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Klimaschutz im Moor: Landwirtschaft ist Teil der Lösung!

04.10.2021

Der Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL) und die Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos (ARGE Donaumoos) fordern, landwirtschaftliche Klimaschutzleistungen gezielt zu fördern. Im Rahmen des ersten Feldtages zur Moorwirtschaft präsentierten Moor-Klimawirt*innen gestern, wie sie Klimaschutzleistungen durch angepasste Bewirtschaftung von Moorböden erbringen.

Ansbach/Leipheim – Als natürliche Speicher haben Moorböden ein großes Potenzial, Kohlenstoffdioxid zu binden. Zunehmend wächst der Druck auf Landwirt*innen diese Speicher zu reaktivieren. Im Rahmen des ersten Feldtages Moorwirtschaft des DVL und der ARGE Donaumoos wurden praktische Lösungswege diskutiert, wie betriebswirtschaftliche Zwänge mit gesellschaftlichen Leistungen vereinbart werden können. Die ARGE Donaumoos ist ein Landschaftspflegeverband, in dem vor Ort Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunalpolitik gleichberechtigt zusammenarbeiten.

Moorschutz ist klimarelevant

Allein aus Bayerns trockenen Moorböden entweichen jährlich 5 Millionen Tonnen CO2. Durch eine Wiedervernässung können sie wieder zu natürlichen Kohlenstoffdioxidspeichern werden. Für viele landwirtschaftliche Betriebe ist das ein Risiko, da sie ihre bisherige Bewirtschaftungsform umstellen müssen. Diese Landwirt*innen sind als Moor-Klimawirt*innen Pioniere zukunftsfähiger Landwirtschaft.

Landwirtschaft ist Teil der Lösung

Wie die Bedürfnisse der Gesellschaft nach klimaschonenden Bewirtschaftungsweisen mit betriebswirtschaftlichen Zwängen landwirtschaftlicher Betriebe konkret vereinbart werden können, diskutierten Teilnehmende des ersten Feldtages zur Moorbewirtschaftung.

Prof. Dr. Matthias Drösler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf stellte verschiedene Entwicklungsszenarien vor. Dabei unterstrich er, dass Landwirt*innen von den Auswirkungen des Klimawandels maßgeblich betroffen sein werden.

„Bayerns Landwirtschaft ist beim Klimaschutz im Moor dabei! Doch sie braucht Planungssicherheit und eine ausreichende Honorierung ihrer Klimaschutzleistungen“, betonte Stefan Köhler, Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbands.

Dr. Annette Freibauer von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft entwickelt derzeit mit der ARGE Donaumoos ein bayerisches Moorbauernprogramm. Damit sollen Landwirt*innen bessere Rahmenbedingungen erhalten, indem bei nässerer Bewirtschaftung der Moorböden ihre wirtschaftlichen Einbußen ausgeglichen werden. Kai Weinmüller, Unternehmensberater aus Ulm, stellte die Bedeutung des freiwilligen Engagements regionaler Unternehmen heraus. Diese wären bereit, für gesicherte Klimazertifikate Geld in der Region zu investieren.

Im Rahmen des Projektes Moor- und Klimaschutz (MoKli) führte der DVL, Dachverband der bundesweit 181 Landschaftspflegeorganisationen, eine Befragung anwesender Landwirtsfamilien durch. „Uns ist wichtig, dass wir wissen, wo die Betriebe stehen. In der ganzen Debatte muss weniger über und mehr mit der Landwirtschaft im Moor gesprochen werden“, betonte Liselotte Unseld, Projektleiterin des DVL. Gemeinsam mit der ARGE entwickelt der DVL im Donaumoos sowie vier weiteren Modellregionen partnerschaftliche Lösungen für nasse Moornutzung.

Großes Interesse am Feldtag Moorwirtschaft

Auf dem Messegelände in Leipheim konnten praktische Verwertungsmöglichkeiten von Biomasse nasser Moorböden oder extensiver Beweidung begutachtet werden. Besonderes Interesse galt dem „Tiny Haus“ des Greifswald Moor Centrums, das ausschließlich aus Moormaterialien hergestellt wurde.

Hintergrund

Das Potenzial, mit Wasserstandsanhebungen im Moor Treibhausgasemissionen einzusparen, ist riesig: Derzeit sind ca. 97,5 % der Moorböden in Deutschland entwässert und dabei größtenteils land- und forstwirtschaftlich genutzt. Obwohl Moorböden in Deutschland nur einen kleinen Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmachen (ca. 7 %), sind sie mit 41% eine der Hauptquellen für die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft.

Der DVL bearbeitet das Projekt „Moor- und Klimaschutz (MoKli) – Praxistaugliche Lösungen mit Landnutzern realisieren“ gemeinsam mit dem Greifswald Moor Centrum. Sie beraten Landwirt*innen in fünf Modellregionen in den moorreichsten Bundesländern. Hier arbeiten sie mit Pionier*innen der nassen Moornutzung, die mit enormem Engagement die wirtschaftliche Nutzung nasser Moorböden ausloten. Finanziert wird das Projekt über die Nationale Klimaschutzinitiative durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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