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10 Jahre Netzwerk Natura 2000-Stationen in Thüringen: Erfolgsmodell für den Naturschutz und Auftrag für die Zukunft

23.04.2026

Zehn Jahre nach ihrer Gründung haben sich die Natura 2000-Stationen in Thüringen als wirksames Instrument für den Schutz wertvoller Lebensräume und bedrohter Arten etabliert.

Ansbach, Erfurt – Zehn Jahre Netzwerk Natura 2000-Stationen in Thüringen: Das steht für wirksamen Schutz wertvoller Lebensräume und bedrohter Arten in Schutzgebieten auf rund 17 Prozent der gesamten Landesfläche im Freistaat.

Anlässlich des Jubiläums zieht das Netzwerk heute im egapark Erfurt Bilanz und richtet zugleich den Blick nach vorn. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Naturschutz, Wissenschaft, Verwaltung sowie Land- und Forstwirtschaft kommen zusammen, um die Erfolge dieses zentralen Instruments des Naturschutzes zu würdigen und die zukünftige Entwicklung weiter voranzubringen.

Seit seiner Gründung im Jahr 2016 – getragen von einer gemeinsamen Initiative des BUND Thüringen, des NABU Thüringen und des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege (DVL) – hat sich das Netzwerk zu einem tragenden Pfeiler für die Umsetzung der europäischen Naturschutzrichtlinien im Freistaat entwickelt. Zwölf Natura 2000-Stationen sowie zwei landesweite Sonderaufgaben speziell zum Schutz von Feldhamstern und Fledermäusen vernetzen Behörden, Wissenschaft, Landnutzende und Ehrenamtliche und sorgen dafür, dass Naturschutz konkret vor Ort umgesetzt wird. Darüber hinaus wurde ein Kompetenzzentrum als Koordinationsstelle für die Stationen gegründet. Die Stationen, die Sonderaufgaben und das Kompetenzzentrum werden durch das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten (TMUENF) finanziert.

Die Wirkung der Natura 2000-Stationen zeigt sich exemplarisch in Projekten im ganzen Freistaat:

  • Im Verbundprojekt „VIA Natura 2000“ wurden über 70 Hektar neue Feldraine geschaffen und damit Lebensräume für Insekten deutlich verbessert. So wurden alleine mehr als 240 Wildbienenarten nachgewiesen.
  • Im Projekt „Blüten- und insektenreiche Bergwiesen im Naturpark Thüringer Wald“ konnte der Verlust wertvoller Lebensräume wie Bergwiesen, Moore und artenreiche Borstgrasrasen auf mindestens 88 Hektar gestoppt und viele Flächen langfristig gesichert werden.
  • Das ENL-Projekt „Geflügelte Vielfalt“ stärkt Streuobstwiesen als Hotspots der Artenvielfalt – mit über 2.000 gepflegten Bäumen und dem Nachweis von 16 Fledermausarten.

In einem Videogrußwort würdigt Bundesumweltminister Carsten Schneider die Bedeutung und die Erfolge des Netzwerks. 

Thüringens Umweltminister Tilo Kummer betont die Rolle der Stationen als wichtige Partner für Behörden und Landnutzende: „Ich sehe mit großer Freude, wie das Natura 2000 Netzwerk in den letzten Jahren zu einem unverzichtbaren Partner für Behörden und Landwirtschaft geworden ist. Gemeinsam haben wir ein Modell geschaffen, das nicht nur in Thüringen wirkt, sondern über die Grenzen hinaus Anerkennung findet. Dieses starke Netzwerk gibt uns die Zuversicht, die nächsten Aufgaben anzugehen und die ambitionierten Naturschutzziele konsequent zu realisieren.“

Anna Schneider, Leiterin des Kompetenzzentrums Natura 2000-Stationen, erklärt: „Die Natura 2000-Stationen verbinden fachliche Expertise mit regionaler Zusammenarbeit und konkreter Umsetzung vor Ort. Sie stellen sicher, dass europäische Naturschutzvorgaben nicht nur auf dem Papier stehen, sondern vor Ort wirksam werden. Dieses Netzwerk zeigt, wie erfolgreicher Naturschutz funktioniert: kooperativ, praxisnah und langfristig wirksam.“

Weitere Impulse aus Wissenschaft und Praxis liefern Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sowie Prof. Dr. Stefan Brunzel von der Fachhochschule Erfurt. 

Im Anschluss kommen Vertreterinnen und Vertreter aus Naturschutz, Landwirtschaft und Verwaltung zusammen, um die zukünftige Entwicklung des Netzwerks in Thüringen gemeinsam zu beleuchten. An der Runde beteiligen sich neben Thüringens Umweltminister Tilo Kummer und Alexander Bonde auch Doreen Rath vom Thüringer Bauernverband, Martin Schmidt vom NABU Thüringen, Jörn Ripken von ThüringenForst und Julia Gombert, die Sprecherin der Natura 2000-Stationen. 

Die Tagung macht deutlich: Die Natura 2000-Stationen sind ein Erfolgsmodell. Zugleich bleiben der Schutz der biologischen Vielfalt, die Umsetzung europäischer Vorgaben und eine verlässliche Finanzierung zentrale Aufgaben und Verpflichtungen für die kommenden Jahre.

HINTERGRUND

Natura 2000 ist das europaweite Schutzgebietsnetz zum Erhalt gefährdeter Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume. Grundlage sind die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und die Vogelschutzrichtlinie. Damit ist auch Deutschland verpflichtet, diese Schutzgebiete und die geschützten Arten dauerhaft zu sichern und geeignete Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt umzusetzen. In Thüringen umfasst das Natura 2000-Netz:

  • 212 FFH-Gebiete
  • 44 EU-Vogelschutzgebiete
  • 35 FFH-Objekte bzw. Objektgruppen vorrangig für den Fledermausschutz
  • Schutzgebiete insgesamt rund 270.000 Hektar (entspricht etwa 17 Prozent der Landesfläche)

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