Erfolgskontrolle von Landschaftspflegemaßnahmen im Landkreis Roth

Kurzbeschreibung

Seit mittlerweile 10 Jahren betreut der Landschaftspflegeverband Mittelfranken eine ehemalige Rechtlerfläche südlich von Roth. Mit aktuell über 10 ha stellt das Wiesengebiet eines der größten Landschaftspflegeprojekte im Landkreis Roth dar. Ziel des Projektes 2005 war es, Effektivität und Erfolg der Maßnahmen zu kontrollieren und dadurch Erkenntnisse für künftige Pflegemaßnahmen auch auf ähnlichen Biotopflächen zu gewinnen. Im Vergleich zur Ersterfassung 1995 konnten u.a. mit Wendehals, Kiebitz und Heidelerche einige für die Lebensraumvielfalt charakteristische Vogelarten neu nachgewiesen werden. Auch die Zahl der Libellenarten hat zugenommen. Die kontinuierliche Mahd sowie die Bachaufweitungen haben zu einer ökologischen Aufwertung der Flächen geführt. Der Ausbreitung von Neophyten sowie weiterer Verbuschung soll zukünftig stärker entgegengewirkt werden.

Ergebnisse

Zustandsbewertung und Entwicklung seit 1995


Im Bearbeitungsgebiet wachsen ausgesprochen viele wertgebende Pflanzenarten mit
den unterschiedlichsten Standortansprüchen. Ausschlaggebend hierfür sind ausgeprägte
Gradienten von Feuchte, Bodenentwicklung und Mikroklima sowie die immer
noch gebietsprägenden früheren Nutzungsformen Beweidung und kleinparzellige
(Streu-) Wiesennutzung.
Floristisch besonders wertvoll sind die Pfeifengraswiesen und Borstgrasrasen, auf
denen sich die Vorkommen bemerkenswerter Arten konzentrieren. Pflegebedingt sind
einzelne konkurrenzschwache Arten seit 1995 auf Teilflächen oder ganz verschwunden,
andere konnten sich infolge konzentrierter Pflege ausbreiten. Ebenso bedeutsam
sind der Sandacker und die ans Gebiet angrenzende Ackerbrache, auf denen eine
ganze Reihe seltener Rohbodenbesiedler in großen Beständen vorkommt. Hier kam es
seit 1995 zu einer teils deutlichen Zunahme der wertgebenden Arten. Seit 1995 sind
als zusätzliche floristisch wertvolle Standorte Bodenabtragsflächen hinzugekommen.


Zu einer Wiederbesiedlung des Unterespan durch in den vergangenen Jahrzehnten
verschwundene wertvolle Arten ist es trotz mehrjähriger Pflege bisher nicht gekommen.
Die deutlich unternutzen Wallersbachwiesen besitzen aus floristischer Sicht mittlere
Wertigkeit, die hochwertigsten Teilflächen liegen auf Privatgrund und werden extensiv
genutzt.
Aus vegetationskundlicher Sicht bedeutsam sind ebenfalls v.a. die Borstgrasrasen und
Pfeifengraswiesen, Nasswiesen und Sandmagerrasen sowie Sandacker und Ackerbrache,
auf denen die in Bayern vom Aussterben bedrohte Lämmersalat-Gesellschaft
(Sclerantho-Arnoseridetum) von Pflegemaßnahmen eindeutig profitierte. Die mageren
Wirtschaftswiesen haben dagegen pflegebedingt seit 1995 an Wert verloren.
Sukzessionsbedingt wurden Besenheidebestände zurückgedrängt und das kleine
Niedermoor wurde verdrängt. Die (prinzipiell schutzwürdigen) Bestände der Spitzblütigen
Binse haben sich stark ausgebreitet, auch auf Kosten wertvollerer Bestände.
In den Wallersbachwiesen sind v.a. die noch genutzten Privatflächen mit ihren artenreichen
Nass- und Moorwiesen vegetationskundlich hochwertig. Die Ökokontoflächen
bedürfen einer intensiveren Pflege, um eine Regeneration zu ähnlich hochwertigen
Flächen zu erreichen.
Unterespan und Wallersbachwiesen stellen für zahlreiche Tierarten mit enger Bindung
an Flächen knapper Nährstoffversorgung, hoher Strukturdiversität, guter Wasserversorgung,
geringer Wuchsdichte und -höhe sowie an anspruchsvolle Pflanzenarten
eines der letzten Rückzugsgebiete im Landkreis Roth dar. Bewertungsrelevant sind
insbesondere die Vorkommen der gefährdeten bzw. seltenen Arten Neuntöter, Wendehals,
Heidelerche, Ringelnatter, Gestreifte Quelljungfer, Gefleckte Heidelibelle, Ampfer-
Grünwidderchen, Sumpfhornklee-Widderchen, Sumpfwiesen-Scheckenfalter, Dukatenfalter,
Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Feldgrille, Sumpf-Grashüpfer und Große
Goldschrecke. Letztere Art besitzt im Landkreis Roth lediglich rund zehn bekannte
Vorkommen.
Seit 1995 haben strukturell anspruchsvolle Bewohner halboffener Landschaften
(Neuntöter, Wendehals) tendenziell profitiert (Verbuschung !), ebenso Fließgewässerlibellen
(Bachaufweitungen !). Die Heuschrecken des Extensivgrünlandes konnten ihre
Populationsgröße ausnahmslos halten, eine wertgebende Art wurde neu nachgewiesen.
Auch bei den Tagfaltern konnten nahezu alle 1995 festgestellten wertgebenden
Arten bestätigt werden, die FFH-Art Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
(Glaucopsyche nausithous) war aktuell individuenreicher vertreten als 1995. Wertverluste
hat das Gebiet erlitten für Grünfrösche und Stillgewässerlibellen (Nutzungsintensivierung
Fischteich !).

Bisherige Gestaltungs- und Pflegemaßnahmen
Kurz nach Fertigstellung des Pflegekonzeptes wurden Ende 1996 unerwünschte und
schädigende Ablagerungen umfassend entfernt. Durch den tiefen Bodenabtrag
konnten Folgewirkungen des Nährstoffeintrages auf die Vegetation offenbar wirksam
verhindert werden.
Auf Bodenabtragflächen haben sich zwischenzeitlich lückige Sandmagerrasen und
Initialstadien von Heidekrautbeständen und Borstgrasrasen gebildet. Diese wertvollen
Vegetationstypen sind Wuchsort mehrerer wertgebender Pflanzenarten und Lebensraum
von Wildbienen und epigäischen Insekten. Wegen des starken Gehölzanfluges
ist regelmäßige Folgepflege notwendig.
Im Januar 1996 angelegte Flachmulden und Tümpel führen auf den Sandböden des
Unterespan ephemer bis periodisch Wasser. Hierdurch sind nasse bis wechselnasse
Sandstandorte entstanden, die in der heutigen Kulturlandschaft ausgesprochen selten
auftreten. Die Sandflächen fungieren als Wuchsort für gefährdete Pflanzen- und
Heuschreckenarten. Potentiell können sie auch von gefährdeten Libellen- und Tagfalterarten
besiedelt werden. Die Bedeutung für Amphibien bleibt wegen der nur
kurzzeitigen Wasserführung gering.
Ausgesprochen positiv verläuft die Entwicklung von im Dezember 2003 angelegten
Bachaufweitungen. Als Ansatzpunkte für Fließgewässerdynamik führen sie zu einer
erheblichen strukturellen Anreicherung des Wallersbaches und zur Entstehung bachtypischer
Strukturen wie Sand- und Schlammbänken mit charakteristischer, heute
seltener Vegetation. Am derart an Strukturen bereicherten Bach leben fünf wertgebende
und/oder auf naturnahe Fließgewässer angewiesene Libellenarten. Als Beeinträchtigung
zu beurteilen ist die Ausbreitung des Aushubmaterial auf den Wiesenflächen.
Entbuschung und nachfolgende Mahd hat auf gut befahrbaren Teilflächen zur Regeneration
von Pfeifengraswiesen und Borstgrasrasen mit typischen, wertgebenden
Pflanzenarten wie Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica) geführt. Ohne Nachpflege
würden die Flächen schnell wieder verbuschen.


Management von Ackerflächen: Auf dem aus reinen Naturschutzerwägungen sehr
locker mit Getreide eingesäten, ungedüngten Acker konnten alle 1995 nachgewiesenen
Ackerwildkräuter erhalten werden, teils hat ihre Dichte deutlich zugenommen.
Noch positiver ist die Entwicklung auf einem angrenzenden Brachacker mit Massenbeständen
wertgebender Wildkräuter wie z.B. Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis).

Mahd von Mähwiesen: Auf gut befahrbaren, hindernisarmen Flächen konnte die
Wertigkeit von Mähwiesen durch zwei- bis dreischürige Pflege weitgehend gehalten
werden. Zu verstärkten Nährstoffentnahme sollte der Termin des ersten Schnittes
jedoch künftig vorverlegt werden. Auf Spätmahdflächen und in zweijährigem Turnus
gemähten Bereichen (z.B. Pfeifengraswiesen) ist es jedoch teilweise zur Artenverarmung
und Ausbreitung von Gehölzen und unerwünschten Pflanzen gekommen.
Mahdtermine und Mahdhäufigkeit müssen hier angepasst werden.
Die Mahd der Ökokontoflächen (Gemeindwiesen, Wallersbachwiesen) wurde erst 2004
wieder aufgenommen. Eine Aussage zu ihrer Wirkung auf die Vegetationsentwicklung
ist daher noch nicht möglich. Der aktuelle Pflegezustand ist nicht befriedigend. Zur
Erhaltung und Regeneration der typischen Vegetation auf den gut mit Wasser und
Nährstoffen versorgten Wiesen ist eine mindestens zweischürige Pflege erforderlich..

Entwicklungsziele
Aus der Gesamtbewertung und Abwägung der einzelnen Wertkriterien ergibt sich eine
ergänzte Liste von Entwicklungszielen:
·  Erhaltung und Wiederherstellung der durch Nährstoffmangel und daraus resultierender
sehr geringer Wüchsigkeit geprägten Borstgrasrasen, Pfeifengraswiesen
und Moorweisen auf möglichst großer Fläche.
·  Erhaltung und Wiederherstellung blütenreicher Nasswiesen.
·  Erhaltung der hochgradig gefährdeten Vegetation der Sandäcker durch Fortführung
extensiver Nutzung mit Rotationsbrache.
·  Optimierung der Lebensbedingungen für charakteristische Tier- und Pflanzenarten
durch räumlich und zeitlich differenzierte Pflege unter Belassen von kleineren
Brachflächen.
·  Optimierung des Gebietes für Gewässerbewohner durch weitgehende Extensivierung
der Teichnutzung, turnusmäßige Neuschaffung von Flachgewässern und
naturnähere Gestaltung des Wallersbaches (Anlage weiterer Bachaufweitungen).
·  Erhaltung der Lebensmöglichkeiten für Bewohner und Nutzer von Pioniergebüschen
und Einzelgehölzen durch teilweises Belassen von Gehölzsukzession.
·  Vergrößerung der Landschaftspflegefläche durch Zuerwerb angrenzender Wiesen
und Äcker als Ökokontoflächen.
·  Anbindung an nächstgelegene Gebiete vergleichbarer Ausprägung und Habitatstrukturen
durch Elemente mit Korridorfunktion für wertgebende Tier- und Pflanzenarten.

Laufzeit

1995 - 2005

Bundesland

Bayern

Fördermittelgeber

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